© Tom Dodge, Newview Media
„Berlin hat eine echte Chance, die Standards von KI ‚made in Berlin` sichtbar zu machen.“
Sam Rowe, Gründer und CEO von Æthos
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Was macht ein KI-Ökosystem wirklich gründergetrieben – und was fehlt oft, wenn Innovation auf Programme, Batches und Deal Flow reduziert wird? In unserem neuen ai.berlin Interview reflektiert Sam Rowe von Æthos über die Kraft kuratierter Communities, vertrauensvoller Peer-Netzwerke und interdisziplinären Austauschs bei der Gestaltung von Unternehmen, die nicht nur skalierbar, sondern auch verantwortungsvoll sind. Das Gespräch beleuchtet, warum Zusammenarbeit, Nähe und gemeinsame Sichtbarkeit in frühen wie späteren Wachstumsphasen mindestens genauso wichtig sein können wie Kapital.
Mit Wurzeln in Cambridge nahe dem MIT und einer wachsenden Präsenz in Berlin arbeitet Æthos an der Schnittstelle von Gründer:innen, Forscher:innen, Entscheidungsträger:innen und Investor:innen. Sam teilt seine Perspektive auf Berlins Rolle in der globalen KI-Landschaft, die Bedeutung transatlantischer Brücken und die Themen, die seine Arbeit im Jahr 2026 prägen – von Souveränität und Standards bis hin zu den langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen von KI.
Sam, Æthos bringt KI-Gründer:innen mit einem starken Fokus auf Zusammenarbeit und ethische Verantwortung zusammen. Was macht gründergetriebene Ökosysteme aus deiner Sicht wirkungsvoll – und was fehlt häufig in klassischen Innovations- oder Accelerator-Modellen?
Im Kern suchen Gründer:innen Nähe – zu potenziellen Kund:innen, Investor:innen, Expert:innen und anderen Gründer:innen. Warum? Umsatz, Investitionen und Glaubwürdigkeit sind offensichtliche Ziele, aber wie wichtig gegenseitige Unterstützung ist, wird oft unterschätzt. Einsamkeit ist eine Gefahr – die eigentliche Gefahr der Isolation besteht jedoch darin, dass Gründer:innen viele Lasten nicht teilen können.
Wenn es gelingt, in angesehenen Ökosystemen Vertrauen aufzubauen, steigt die gemeinsame Sichtbarkeit – und der Zugang zu den richtigen Kontakten wird schneller. Acceleratoren haben gute Geschäftsmodelle und können Startups in frühen Phasen dabei helfen. Leider konkurrieren sie oft nur um Deal Flow und lehnen alle ab, die für ihr Programm zu früh oder zu spät dran sind. Kuratierte Communities, die flexibler sind und keine Anteile nehmen, können Gründer:innen auf allen Wachstumsstufen die Vorteile eines starken Ökosystems bieten.
Nach dem Start in Cambridge nahe dem MIT wurde Berlin Æthos' erster internationaler Standort. Was hat dich überzeugt, dass Berlin der richtige nächste Schritt für Æthos ist – und wie haben deine Erfahrungen aus dem Bostoner Ökosystem die Erwartungen an die Stadt geprägt?
Berlin bietet starke Verbindungen zur Forschungsgemeinschaft in Greater Boston – wichtige Institutionen wie die Charité entsenden jedes Jahr viele Menschen ans MIT und zu anderen lokalen Partnern von uns. Abgesehen von der Offenheit der sozialen und beruflichen Netzwerke: Als wir Berlin 2024 zum ersten Mal besuchten, begegneten wir einem außergewöhnlich tiefen Pool an technischem Talent.
Wo Cambridge uns ein hochverdichtetes Ökosystem auf engem geografischem Raum bietet, ermöglicht Berlin die Nähe zu wichtigen Entscheidungsträger:innen in der EU und der Berliner Politik.
Æthos versteht sich als Netzwerk, das über Startups hinausgeht und Gründer:innen mit Forscher:innen, Entscheidungsträger:innen, Ethiker:innen und Investor:innen verbindet. Wie kommen diese unterschiedlichen Perspektiven in deiner täglichen Arbeit konkret zusammen – und wo siehst du den größten Mehrwert dieses interdisziplinären Ansatzes?
Roundtables, die reale Herausforderungen der Industrie benennen, Hackathons, die das scheinbar Undenkbare prototypisieren, und Symposien, die Builder:innen, Nutzer:innen und Geldgeber:innen aus ihren Echokammern holen – das ist unser Tagesgeschäft. Die wichtigsten Gewinne sind Validierung, Umsatz und ein Gespür für die langfristigen gesellschaftlichen Auswirkungen unserer Arbeit.
Als Launch-Partner des ai.berlin Hubs: Welche Rolle siehst du für Æthos im Berliner KI-Ökosystem – und wie möchtest du dazu beitragen, das Profil der Stadt zu stärken?
Als Plattform möchte Æthos Lösungen entwickeln, die ein gemeinsames Branding und eine gemeinsame Außenwirkung etablieren, die Berlins Profil stärken und Daten über das Ökosystem teilen. Wir wollen unsere internen Pilotprojekte in das größere Ökosystem einbringen und unseren Mitgliedern dabei helfen, Beziehungen zu bestehenden Akteuren aufzubauen.
Berlin ist Heimat einer vielfältigen und schnell wachsenden KI-Community. Was ist aus deiner internationalen Perspektive ein Beitrag, den Æthos einzigartig leisten kann – und wo siehst du Chancen für Berlin, sein Profil als globaler KI-Hub weiter zu schärfen?
Æthos möchte eine synergetische Brücke zwischen den amerikanischen und europäischen KI-Ökosystemen bauen. Berlin muss seine lokale Community auf wiederholbare Weise in prominente globale Netzwerke einbringen und Newcomer dabei unterstützen, schnell die Ressourcen zu finden, die sie für ihr Wachstum brauchen. Als Einstiegstor nach Europa für ausländische KI-Unternehmen liegt eine echte Chance. Deutschland kämpft derzeit mit dem Ruf einer bürokratischen Wirtschaft – und doch genießen deutsche Produkte weltweit hohes Ansehen als Qualitätsmerkmale.
Wege zu schaffen, auf denen KI-Unternehmen systematisch Gütesiegel erhalten können, die ihren Kund:innen zeigen, dass ihre Produkte vertrauenswürdig und robust sind, hat echten wirtschaftlichen Wert. In den USA wird Delaware von so vielen Unternehmen als Gründungsstandort bevorzugt, weil sein Rechtssystem das Vertrauen von Investor:innen gewonnen hat. Ich glaube, Berlin hat eine echte Chance, sein Ökosystem auf normative Weise zu kartieren – und damit die Leistungs- und Ethikstandards von KI-Produkten „made in Berlin" sichtbar zu machen.
Du bist in eine Reihe von KI-bezogenen Initiativen und Projekten eingebunden. Welche Themen bewegen dich derzeit am stärksten – und wie spiegeln diese deine übergeordnete Vision für eine verantwortungsvolle KI-Entwicklung wider?
Souveränität, Demokratie und Nachhaltigkeit sind für mich 2026 die prägenden Themen. Als Amerikaner sehe ich die Verteidigung der Demokratie in den nächsten zehn Monaten als meine staatsbürgerliche Pflicht. Innerhalb von Æthos widme ich meine eigene Zeit darauf, technische Köpfe, Politiker:innen und Geldgeber:innen zusammenzubringen – um vielversprechende Wege zu entwickeln, zu erproben und zu teilen, wie KI unsere Politik zum Besseren verändern kann. Der aktuelle Moment verlangt hier klaren Fokus.
Vielen Dank für das interessante Gespräch.
Hinweis: Dieses Interview wurde ursprünglich auf Englisch geführt und im Nachhinein ins Deutsche übersetzt.